Von der Kinderbewahranstalt bis zum Kindergarten heute

Überblick über die Geschichte des Marienvereins und des Kindergartens in Sulzfeld

Auf Anregung von Herrn Pfarrer Lauer gründeten die Sulzfelder am 2. Oktober 1910 einen St. Johannis-Zweigverein zur Errichtung und Unterhaltung einer Kinderbewahranstalt und einer ambulanten Krankenpflegestation. Der Verein war dem St. Johannisverein für öffentliche Armenpflege in München angegliedert.

Unter Herrn Pfarrer Fertig erhielt der Verein im Jahre 1918 den Namen „Anstaltsverein Sulzfeld i. Gr.“. Laut Statuten konnte jeder im Dorf Mitglied werden, der monatlich mindestens einen Beitrag von 10 Pf. leistete.

Am 18. Februar 1925 trat Frau Margareta Schmitt, geborene Lürzel, ihr Gehöft vor dem Notar an den Verein ab. Das Anwesen umfasste Wohnhaus mit Schmiede, Ställe, Halle, Hofraum, Küchen-, Gras- und Baumgarten nebst einem halben Gemeinderecht (= Holzrecht). Die 69jährige Bauerswitwe verband mit der Schenkung die Auflage, dass der Verein nach Abbruch der alten Gebäude auf diesem Platz die neue Anstalt errichten müsse. Als Gegenleistung für die Abtretung wurde der Witwe notariell ein unentgeltliches Wohnrecht in dem zu errichtenden Anstaltsneubau zugesichert. Außerdem hatte sie Anspruch auf Beköstigung, Heizmaterial sowie Pflege in kranken Tagen. Sie konnte Küche und Keller mitbenutzen und erhielt die Hälfte des jährlichen Obstertrages. Der Verein erklärte sich bereit, Arzt- und Apotheker- sowie Beerdigungskosten zu übernehmen, falls die eigenen Mitteln nicht ausreichten, und sagt der Abtreterin die Grabpflege zu.

1926 begannen die Sulzfelder mit dem Bau der neuen Anstalt. Sie brachen Steine im alten Steinbruch. Herr Pfarrer Fertig soll selbst die größten Steinbrocken geschleppt haben.

1927 wurde ein Vertrag mit der Kongregation der Schwester des Erlösers in Würzburg geschlossen. Erstmals kamen 3 Schwestern nach Sulzfeld. Sie waren zuständig für die ambulante Krankenpflege, für die Kinderbewahranstalt und für die Nähschule. Dazu übernahmen sie den Dienst in der Sakristei.

Als das neue Haus bezogen wurde, half Margareta Schmitt bei der Betreuung der Kinder mit. Angeblich schwenkte ihre lange Rute oftmals bedrohlich über die Köpfe der Kinder.

1937 überlässt der Anstaltsverein das Anwesen samt Einrichtung der katholischen Kirchengemeinde. Von diesem Zeitpunkt ist die Kirchenstiftung laut Grundbuch der Eigentümer des Hauses mit allen Rechten und Pflichten. Der Verein ist lediglich der Verwalter der Einrichtung.

In den 50er Jahren hieß der Verein kurzfristig „Bartholomäusverein“. Als dann Herr Pfarrer Fertig 1954 eine holzgeschnitzte Marienstatue am Gebäude anbringen ließ, wurde der Verein in „Marienanstalt Sulzfeld i. Gr.“ Umbenannt. Laut Satzung betrug zu dieser Zeit der jährliche Mitgliederbeitrag 5,-- DM (2,56 €). Zu dieser Zeit war es üblich, dass die Kinder einige Zeit am Nachmittag auf den Pritschen schliefen.

Im Jahre 1959 wurden verschiedene Renovierungsarbeiten im Schwesternhaus und in den Anstaltsräumen durchgeführt. Die Kosten beliefen sich auf rund 5.000,-- DM (2.556,50 €). Eine zentrale Beheizung wurde 1965 unter Herrn Pfarrer Stephan Achtmann eingebaut.

Es war ein schwerer Verlust für den Verein und für die Gemeinde, als 1975 die Schwesternstation aufgelöst werden musste. Durch den plötzlichen Tod der Oberin sah die Kongregation keine Möglichkeit mehr, die Station weiterzuführen. Zum Abschied dankte Pfarrer Georg Müller den beiden letzten Schwestern für ihren aufopferungsvollen Dienst am Menschen und in der Kirche. Neben ihren Aufgaben hatte die Schwestern in all den Jahren die Kirche geschmückt und die Kirchenwäsche in Ordnung gehalten.

1 Jahr lang wurde dann der Kindergarten mit einer Aushilfskraft weitergeführt. Seit September 1976 werden die Kinder von staatlich ausgebildeten Kindergärtnerinnen betreut. Mit der Zeit erwies sich das Haus für die steigende Kinderzahl als zu klein. So entschloss sich die Kirchenverwaltung den Bau zu erweitern. Im Obergeschoss wurde das Pfarrheim eingerichtet. Räume für die Jugend kamen wenige Zeit später hinzu. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf rund eine halbe Million DM. Am 17. September 1978 wurde der neue Hort eingeweiht. In diesem Jahr besuchen 55 Kinder den Kindergarten Den Marienverein fördern 200 Mitglieder.

Im Jahre 1987 feierte der Marienverein sein 60-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst und einem Sommerfest.

Aufgrund der starken Nachfrage nach Kindergartenplätzen einigten sich die Verantwortlichen darauf, eine 3. Gruppe einzurichten. Schwierig war die Lösung der Raumfrage. Dank einer befristeten Ausnahmeregelung des Jugendamtes durfte die 3. Gruppe im Turnsaal untergebracht werden. Die Bewegungsübungen fanden zukünftig in den Jugendräumen im Obergeschoss des Pfarrheimes statt. Nachdem der Turnsaal kindgerecht eingerichtet und das Personal aufgestockt war, wurde eine 3. Gruppe zum 1. Oktober 1987 installiert.

Ab September 1988 besuchten dann auch die Kinder aus Kleinbardorf, die bisher in Großbardorf untergebracht waren, den Kindergarten in Sulzfeld.

Im Jahre 1989 schließlich wurde der notwendige Kindergartenanbau in die Wege geleitet. Heiße Diskussionen in der Bevölkerung begleiteten die Planungsphase und die Zeit bis zum Baubeginn. Neben dem 3. Gruppenraum mussten Personal- und Abstellräume geschaffen werden. Auch im Kindergartengebäude selbst wurden Umbaumaßnahmen in Angriff genommen. Gleichzeitig wurden die Außenanlagen und Spielflächen neu gestaltet und zusätzliche Spielgeräte aufgestellt. Bauträger der Maßnahme war die katholische Kirchenstiftung Sulzfeld. Zu Beginn des Kindergartenjahres 1991/1992 wurden die neuen Räume bezogen. Die Geburtenentwicklung in unserer Gemeinde rechtfertigte die Einrichtung einer 4. Kindergartengruppe.

Der allgemeine Rückgang der Geburtenzahlen ging auch an unserem Kindergarten nicht spurlos vorüber. So musste Anfang des neuen Jahrtausends zunächst die vierte und kurz darauf sogar die dritte Kindergartengruppe geschlossen werden.

Der Marienverein Sulzfeld reagierte auf den Geburtenrückgang mit der Öffnung des Kindergarten für unter 3-jährige Kinder. Durch diese Öffnung konnten immer mehr Eltern dazu bewegt werden ihre Kinder bereits im Alter ab 2 Jahren in unserer Einrichtung betreuen zu lassen. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für die Kinder ab 2 Jahren wuchs in den folgenden Jahren stetig an, so dass wir mit Beginn des Kindergartenjahres 2009/2010 eine eigene Kleinkindgruppe eröffnen konnten und so wieder einen 3-gruppigen Betrieb unserer Kindertageseinrichtung gewährleisten können.